Sternotherus odoratus (Kinosternon odoratum)

Gewöhnliche Moschusschildkröte

Vorkommen - Größe - Aussehen - Lebensweise - Fortpflanzung - Haltung - Literatur - BILDER
Neu! VIDEO (5,5 MB, 384 kbit/s) einer Paarung bei Sternotherus odoratus!

In der folgenden Zusammenstellung geben wir einen Überblick über die unten genannte Literatur und führen eigene Beobachtungen an.
 

Vorkommen:

Südliches Kanada (Ontario und S-Quebec), östliche und südöstliche USA (Maine bis S-Wisconsin, Texas und Florida), vereinzelt Mexiko. Das ungefähre Verbreitungsgebiet zeigt die folgende Karte. Sternotherus odoratus bewohnt also sehr verschiedene Klimazonen!
Verbreitungsgebiet

Größe und Alter:

ERNST, ROGNER und NÖLLERT geben die Carapaxlänge mit 8,3 bis 13,6 cm an, RUDLOFF mit 9 bis 14 cm. RUDLOFF führt an, daß Einzelexemplare in Gefangenschaft bis zu 50 Jahre alt geworden sind, nach AUDUBON sogar bis zu 55 Jahre.

Aussehen:

Der Carapax ist dunkelbraun bis dunkelgrau und hoch gewölbt. Jungtiere haben drei relativ schwach ausgeprägte Kiele auf dem Rückenpanzer, die bei älteren Tieren fast völlig verschwinden. Die Färbung des Carapax ist graubraun bis schwarz, das Plastron ist mit hellbraun bis braun etwas heller. Am Kopf finden sich an jeder Seite zwei gelbe Streifen. Die zwei Barteln am Kinn sind unterschiedlich stark ausgeprägt. Der Hals kann sehr lang gereckt werden, vor allem bei Jungtieren. Die Krallen sind nicht sehr lang, jedoch spitz, zwischen den Zehen befinden sich ausgeprägte Schwimmhäute. Der Schwanz ist kurz. Die Tiere vermögen alle Extremitäten gut unter den Carapax einzuziehen. Das Plastron ist relativ klein, so daß Hals und Beine sehr beweglich sind.

Die folgenden Abbildungen zeigen unser semi-adultes Männchen (zum Zeitpunkt der Aufnahme ca. 80 g bei 8 cm Panzerlänge). Es ist deutlich die einheitlich braune Carapax-Färbung sowie das helle und vergleichsweise kleine Plastron zu erkennen. Die konkave Form des Plastrons sowie die breite Schwanzwurzel weisen darauf hin, daß es sich um ein Männchen handelt. Die breiten Wachstumsstreifen auf Rücken- und Bauchpanzer zeigen, daß das Tier noch kräftig wächst.

 


 

Lebensweise:

Vorkommen in stehenden und leicht fließenden Gewässern mit weichem schlammigem Bodengrund. RUDLOFF, ROGNER u.a. berichten, daß die Tiere dämmerungs- und nachtaktiv seien und z.T. nachts an Land gehen, vor allem während und nach Regenfällen. Wir können in unseren Terrarien keine ausgeprägte Dämmerungsaktivität beobachten, insbesondere die Jungtiere sind ganztägig aktiv. Im Gartenteich, wo die Tiere schnell ein scheueres Verhalten annehmen, scheint jedoch Dämmerungsaktivität vorzuherrschen. Übernachtung an Land findet sicher nicht regelmäßig statt. Beim Gefühl von Bedrohung sondern die Tiere einen "moschusartigen, penetranten Geruch" ab (MÜLLER). Dies trifft bereits bei Schlüpflingen zu, wird aber nach unseren Erfahrungen mit zunehmendem Alter in Gefangenschaft deutlich schwächer. Die Geruchsabsonderung hat den Tieren ihren amerikanischen Namen "Stinkpot" (auch "Musk Turtle" oder "Stinking Jim") eingebracht (AUDUBON).

Die von RUDLOFF angeführten guten Fähigkeiten zum Klettern können wir bestätigen, die Tiere haben jedoch keine Neigung gezeigt, am feinen Maschendraht der nach innen überkrängenden Einzäunung unseres Gartenteichs hochzuklettern.

Allgemein wird angegeben, daß als Futter fast ausschließlich tierische Nahrung angenommen wird. MÜLLER bezeichnet die Tiere als Allesfresser. Wir konnten allerdings lediglich beobachten, daß unsere Tiere Wasserpflanzen anbissen, die Pflanzenstücke jedoch nicht fraßen. Obst wird ebenfalls nicht angenommen.

Fortpflanzung:

Das Balzverhalten wird von ERNST ausführlicher beschrieben, ist jedoch nicht sehr differenziert. Das Männchen nähert sich den Weibchen und beschnuppert dessen Hinterleib. Es folgen Stöße und evtl. Bisse in die Seite. Ist das Weibchen nicht paarungsbereit und schwimmt sie davon, wird sie vom Männchen oftmals hartnäckig verfolgt. Die Tiere können hierbei beachtliche Schwimmgeschwindigkeiten entwickeln.

Zur Paarung reitet das Männchen auf und klammert sich mit allen 4 Extermitäten am Weibchen fest. Die Dauer der Paarung variiert stark. Wir beobachteten Zeiten von etwa 1 Minute bis zu einer Viertelstunde. Nach der Paarung kann es wie bei vielen anderen Schildkrötenarten zu Schwierigkeiten beim Zurückziehen des Penis kommen, so dass das Männchen vom Weibchen, das sich nun zu befreien versucht, mitgetragen wird, bis es sich schließlich lösen kann. Die Paarung bei Sternotherus odoratus zeigt eines unserer VIDEOS (5,5 MB, 38 kbit/s),

RUDLOFF und ROGNER vermuten, daß die Tiere ganzjährig fortpflanzungsaktiv sind, insbesondere im Frühjahr und Herbst, was wir durch unsere Beobachtungen bestätigen können. RUDLOFF führt an, daß die Tiere einfach zu vermehren seien, da das Bebrüten der Eier und die Aufzucht der Jungtiere keine hohen Anforderungen stelle. Wir können eine große Temperaturtoleranz bei der Eientwicklung bestätigen, ebenso das schnelle und gute Ansprechen auf verschiedenes tierisches Futter bei den Jungtieren.

Die Geschlechtsreife tritt bei Sternotherus odoratus nach unseren Beobachtungen mit etwa 3,5 Jahren ein. 2000 erhielten wir die ersten F2-Nachzuchten von einem 3 Jahre und 5 Monate alten Weibchen und einem 3 Jahre und 4 Monate alten Männchen aus eigener Nachzucht! Die Angabe bei ROGNER zur Geschlechtsreife mit 4 Jahren muß also für Männchen und Weibchen nach unten korrigiert werden.

Die Anzahl von Eiern pro Gelege wird in OBST und RUDLOFF mit 2 bis 4 angegeben. Wir haben Gelege in den Größen 2 bis 5 Eier beobachtet, wobei 5 Eier durchaus häufig waren. Beispielsweise erhielten wir 1995 von einem größeren Weibchen 6 Gelege mit insgesamt 24 Eiern, alle Jungtiere schlüpften und entwickelten sich. Die Eier haben etwa 25 mm Länge und wiegen um 4 g, selten mehr.

Die Brutdauer wird von NÖLLERT mit 103 bis 132 Tagen bei 20 bis 30°C angegeben, was aber nach unseren Erfahrungen deutlich zu hoch ist. Bei Bruttemperaturen von ca. 24°C bis 30°C, kurzzeitig auch darüber und darunter, haben wir Brutzeiten von 76 bis 94 Tagen beobachtet, ERNST gibt 75 bis 80 Tage an. Höhere Bruttemperaturen und damit kürzere Brutdauern sind offenbar mit der Zeitigung von Weibchen korreliert, niedrigere Temperaturen und längere Brutdauern mit Männchen, wobei sich feste Grenzen wohl nur schwer angeben lassen. In einem Einzelfall ist ein Ei nach 130 Tagen Brutdauer geschlüpft, wobei der Schlüpfling jedoch nur 4 Tage lebensfähig war.

Haltung:

Allgemein wird Sternotherus odoratus als gut zu haltende Schildkrötenart beschrieben, was wir nur bestätigen können. Die Haltung kann paarweise oder als Zuchtgruppe (ein Männchen und mehrere Weibchen) erfolgen. Wir haben jedoch die Erfahrung gemacht, daß eine zwischenzeitliche Einzelhaltung der Tiere sinnvoll ist, da paarungswillige Männchen weibliche Tiere auch bei ausreichenden Versteckmöglichkeiten stark bedrängen können und auch zwischen Weibchen Kämpfe stattfinden können. Die Vergesellschaftung mit anderen Schildkröten, z.B. Chinemys reevesii, ist unproblematisch.

Während ROGNER einen Wasserstand von lediglich 15 cm und NÖLLERT von nur 10 bis 15 cm empfehlen, damit die Tiere leicht an der Oberfläche Luft holen können, erweisen sich unsere Tiere schon kurz nach dem Schlupf als gute Schwimmer und kommen als Jungtiere problemlos mit 15 cm und als adulte Tiere mit 40 cm und mehr problemlos zurecht, wie auch von MÜLLER berichtet wird. Unterwasserverstecke werden gerne angenommen und sind wichtig als Rückzugsmöglichkeit. Das z.T. recht aggressive Balzverhalten (s.o.) und natürlich auch Revieransprüche machen ausreichende Beckengröße mit großem Wasserteil oder einen Teich sowie ausreichende Versteck- und Fluchtmöglichkeiten notwendig, wenn die Tiere nicht einzeln gehalten werden.

ROGNER empfiehlt eine Wassertemperatur von 25°C, während MÜLLER eine Haltung bei Zimmertemperatur für ausreichend erachtet. Wir haben auch mit Temperaturen von 18 bis 22°C für die Übergangszeiten im Frühjahr und Herbst gute Erfahrungen gemacht. Auch sommerliche hohe Temperaturen im Gartenteich werden problemlos vertragen. Eine Überwinterung wird allgemein als nicht notwendig, aber für die erfolgreiche Fortpflanzung hilfreich angesehen. NÖLLERT nennt 10°C für drei Monate. Nach unseren Erfahrungen kann die Temperatur auch niedriger sein, wir haben mit 6°C bis ca. 12-14°C gute Erfahrungen gemacht.

Systematik:

Sternotherus odoratus wird neuerdings als Kinosternon odoratum geführt (z.B. von ERNST und ROGNER). Unterarten sind nicht bekannt. 

Literatur:



Startseite / Home  Letztes Update dieser Seite: 25.03.2005 - © Stefan Thierfeldt, Jülich, Germany