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Sternotherus odoratus (Kinosternon odoratum) Gewöhnliche Moschusschildkröte |
In der folgenden Zusammenstellung geben wir einen Überblick
über die unten genannte Literatur und führen eigene Beobachtungen
an.

Die folgenden Abbildungen zeigen unser semi-adultes Männchen (zum Zeitpunkt der Aufnahme ca. 80 g bei 8 cm Panzerlänge). Es ist deutlich die einheitlich braune Carapax-Färbung sowie das helle und vergleichsweise kleine Plastron zu erkennen. Die konkave Form des Plastrons sowie die breite Schwanzwurzel weisen darauf hin, daß es sich um ein Männchen handelt. Die breiten Wachstumsstreifen auf Rücken- und Bauchpanzer zeigen, daß das Tier noch kräftig wächst.

Die von RUDLOFF angeführten guten Fähigkeiten zum Klettern können wir bestätigen, die Tiere haben jedoch keine Neigung gezeigt, am feinen Maschendraht der nach innen überkrängenden Einzäunung unseres Gartenteichs hochzuklettern.
Allgemein wird angegeben, daß als Futter fast ausschließlich
tierische Nahrung angenommen wird. MÜLLER bezeichnet die Tiere als
Allesfresser. Wir konnten allerdings lediglich beobachten, daß unsere
Tiere Wasserpflanzen anbissen, die Pflanzenstücke jedoch nicht fraßen.
Obst wird ebenfalls nicht angenommen.
Zur Paarung reitet das Männchen auf und klammert sich mit allen 4 Extermitäten am Weibchen fest. Die Dauer der Paarung variiert stark. Wir beobachteten Zeiten von etwa 1 Minute bis zu einer Viertelstunde. Nach der Paarung kann es wie bei vielen anderen Schildkrötenarten zu Schwierigkeiten beim Zurückziehen des Penis kommen, so dass das Männchen vom Weibchen, das sich nun zu befreien versucht, mitgetragen wird, bis es sich schließlich lösen kann. Die Paarung bei Sternotherus odoratus zeigt eines unserer VIDEOS (5,5 MB, 38 kbit/s),
RUDLOFF und ROGNER vermuten, daß die Tiere ganzjährig fortpflanzungsaktiv sind, insbesondere im Frühjahr und Herbst, was wir durch unsere Beobachtungen bestätigen können. RUDLOFF führt an, daß die Tiere einfach zu vermehren seien, da das Bebrüten der Eier und die Aufzucht der Jungtiere keine hohen Anforderungen stelle. Wir können eine große Temperaturtoleranz bei der Eientwicklung bestätigen, ebenso das schnelle und gute Ansprechen auf verschiedenes tierisches Futter bei den Jungtieren.
Die Geschlechtsreife tritt bei Sternotherus odoratus nach unseren Beobachtungen mit etwa 3,5 Jahren ein. 2000 erhielten wir die ersten F2-Nachzuchten von einem 3 Jahre und 5 Monate alten Weibchen und einem 3 Jahre und 4 Monate alten Männchen aus eigener Nachzucht! Die Angabe bei ROGNER zur Geschlechtsreife mit 4 Jahren muß also für Männchen und Weibchen nach unten korrigiert werden.
Die Anzahl von Eiern pro Gelege wird in OBST und RUDLOFF mit 2 bis 4 angegeben. Wir haben Gelege in den Größen 2 bis 5 Eier beobachtet, wobei 5 Eier durchaus häufig waren. Beispielsweise erhielten wir 1995 von einem größeren Weibchen 6 Gelege mit insgesamt 24 Eiern, alle Jungtiere schlüpften und entwickelten sich. Die Eier haben etwa 25 mm Länge und wiegen um 4 g, selten mehr.
Die Brutdauer wird von NÖLLERT mit 103 bis 132 Tagen bei 20 bis
30°C angegeben, was aber nach unseren Erfahrungen deutlich zu hoch
ist. Bei Bruttemperaturen von ca. 24°C bis 30°C, kurzzeitig auch
darüber und darunter, haben wir Brutzeiten von 76 bis 94 Tagen beobachtet,
ERNST gibt 75 bis 80 Tage an. Höhere Bruttemperaturen und damit kürzere
Brutdauern sind offenbar mit der Zeitigung von Weibchen korreliert, niedrigere
Temperaturen und längere Brutdauern mit Männchen, wobei sich
feste Grenzen wohl nur schwer angeben lassen. In einem Einzelfall ist ein
Ei nach 130 Tagen Brutdauer geschlüpft, wobei der Schlüpfling
jedoch nur 4 Tage lebensfähig war.
Während ROGNER einen Wasserstand von lediglich 15 cm und NÖLLERT von nur 10 bis 15 cm empfehlen, damit die Tiere leicht an der Oberfläche Luft holen können, erweisen sich unsere Tiere schon kurz nach dem Schlupf als gute Schwimmer und kommen als Jungtiere problemlos mit 15 cm und als adulte Tiere mit 40 cm und mehr problemlos zurecht, wie auch von MÜLLER berichtet wird. Unterwasserverstecke werden gerne angenommen und sind wichtig als Rückzugsmöglichkeit. Das z.T. recht aggressive Balzverhalten (s.o.) und natürlich auch Revieransprüche machen ausreichende Beckengröße mit großem Wasserteil oder einen Teich sowie ausreichende Versteck- und Fluchtmöglichkeiten notwendig, wenn die Tiere nicht einzeln gehalten werden.
ROGNER empfiehlt eine Wassertemperatur von 25°C, während MÜLLER
eine Haltung bei Zimmertemperatur für ausreichend erachtet. Wir haben
auch mit Temperaturen von 18 bis 22°C für die Übergangszeiten
im Frühjahr und Herbst gute Erfahrungen gemacht. Auch sommerliche
hohe Temperaturen im Gartenteich werden problemlos vertragen. Eine Überwinterung
wird allgemein als nicht notwendig, aber für die erfolgreiche Fortpflanzung
hilfreich angesehen. NÖLLERT nennt 10°C für drei Monate.
Nach unseren Erfahrungen kann die Temperatur auch niedriger sein, wir haben
mit 6°C bis ca. 12-14°C gute Erfahrungen gemacht.
Letztes Update dieser Seite: 25.03.2005 - © Stefan Thierfeldt,
Jülich, Germany